jeder kennt es jeder hasst es und keiner weiß warum es so ist. Das ewige und äußerst lässtige flattern der Vorderachse. Jedoch muss man unterscheiden! Wenn man einhändig fährt oder auch freihändig kann es durchaus auch bei einwandfreier Lagerung dazu kommen. Da das ja aber im Sinne der STVO eh verboten ist, sollte das hier kein Thema sein. Beide Hände am Lenker und trotzdem flattert es bei bestimmten Geschwindigkeiten und, oder Situationen. Dazu wurden schon viele Möglichkeiten in betracht gezogen, so z.B. nicht richtig eingestelltes oder defektes Lenkkopflager, ausgeschlagene Gummibuchsen der Vorderradschwinge bis hin zu unrund laufenden Vorderrad.
Meine Feststellung, zu der ich während der Restaurierung von Jan's Star (Nobbi's Sohn), gekommen bin ist folgende. Ich gehe ganz stark davon aus, dass es sich in den meisten Fällen um das Lagerrohr, welches am Schwingenträgerende eingeschweißt ist, handelt. Dieses war bei besagten Star völlig ausgeschlagen! Es weist in allen Belangen Verschleiß auf. Sowohl im Innendurchmesser als auch in der Länge. Der Innendurchmesser liegt orig. bei 11.2mm bei einem Bolzenaußendurchmesser von 11,0mm. Bei diesem Lagerrohr allerdings lag es teilweise bei 12mm!! Die Länge des Lagerrohres beträgt orig. 75mm (ergibt sich aus dem Abstand der Gummibuchsen), bie diesem nur noch 73mm. Beim Test hatte ich vorn am Schwingenende wo das Rad eingebaut wird ein "Schlagmaß" von ca. 3cm!!! Da hift auch kein neues Lenkkopflager oder Buchsen mehr.
Und genau das ist der Punkt, viele haben alles gewechselt und es flattert immernoch. Wenn das der Fall ist, ist das Lagerrohr definitiv fertig. Nach 30-40 Jahren auch kein Wunder.
Nun kann man sich für stolze 110,- Euro einen neuen Schwingenträger kaufen oder man repariert es.
Für zweiteres habe ich mich entschieden, da es deutlich günstiger ist. Allerdings mit etwas mehr Aufwand.
Dazu habe ich erstmal ein neues Lagerrohr anfertigen lassen mit einer etwas stärkeren Wandung.

Dann war die Frage wie man das Rohr wieder in der richtige Position eingeschweißt bekommt. Es muss ja in zwei Positionen gerade sein. Also habe ich eine sogenante Schweißlehre gebaut. Maß war natürlich die Postion des alten Lagerrohres.


Nun müssen nur noch die einzelnen Bauteile miteinander verschweißt werden und dann kann das alte Rohr rausgetrennt und das neue eingeschweißt werden.
Materialkosten für die Lehre: 5,- Euro Kaffekasse
Für die Rohre, also 4 Stück waren 20,- also 5,- Euro pro Stück fällig.
Wenn ihr also trotz aller Bemühungen das Flattern nicht in den Griff bekommt, überprüft ganz einfach mal das Lagerrohr. Rad raus, Stoßdämpfer unten ab, Schwingenbolzen lösen (nicht raus nur locker)und dann die Schwinge hin und her wackeln und schauen wo es her kommt. Im eingebauten Zustand zu prüfen bringt nichts, da alles unter einer gewissen Spannung steht, was aber nicht heißt das es beim fahren auch so wäre.
Die weiteren Schritte und das Endergebnis werde ich hier noch posten.
Grüße, Ralf.
So es ist vollbracht. Wie es so ist im Leben, dauert manches doch länger als gedacht. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja beim verschweißen.
Nun wurde also die Lehre anhand der Position des alten Lagerrohres verschweißt.

Danach konnte dann das alte Lagerrohr herausgetrennt werden. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass man den Trennschleifer so ansetzt, dass kein unnötiges Material vom Schwingenträger abgetragen wird. Also immer vom Rohr aus zum Träger hin arbeiten.Das Rohr kommt ja eh in den Schrott und somit ist es egal ob beim trennen vom Rohr zu viel abgetragen wird. Im Gegenzug wäre es fatal wenn vom Träger zu viel Material weggeschliffen würde. Im Idealfall sieht das dann so aus.

Nun wird die Lehre wieder aufgesetzt und das neue Lagerrohr in Position gebracht. Sollte es noch nicht passen, muss natürlich solange vorsichtig nachgeschliffen werden, bis das neue Rohr ohne Spannung von der Lehre gehalten wird. Dann kann verschweißt werden und fertig ist der regenerierte Schwingenträger.
Beim schweißen ist darauf zu achten, dass die beiden Lüftungslöcher in der Mitte oben und unten nicht verschlossen werden um Staunässe zu verhindern!

Nun noch ein bissi Rostschutz und idealer Weise Unterbodenschutz darüber und dann können die nächsten 40 Jahre kommen.
Ich hoffe ich konnte helfen.
Grüße, Ralf.
